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Wall of Text – Interview mit Taskforce Toxicator

Heute werde ich den Kollegen von Taskforce Toxicator ein paar Fragen stellen und wir quatschen ein wenig. Mein Gesprächspartner ist Dominik, einer der beiden Gitarristen. Alles in Standard-Schrift sind meine schlauen Fragen und Kommentare, das fettgedruckte hat der Dominik geantwortet.

Schön dass ihr am 9. Mai im Ufo mit am Start seid. Es sieht alles danach aus, dass wir wieder eine volle Hütte haben. Wieviel Bock habt ihr auf die Show auf einer Skala von 1-10?

11 natürlich! Wir freuen uns wirklich sehr darauf, bei euch zu spielen. Einige unserer Freunde wie zum Beispiel Grindpad und Campa haben bereits bei euch gespielt und ausschließlich gutes berichtet. Deshalb sind wir wirklich mega froh darüber, dieses Jahr dabei sein zu dürfen!

Grindpad und Campa haben wirklich ordentlich abgeräumt. Das war großes Kino. Insofern kann ich über die Kollegen auch nur Gutes berichten. Damit erübrigt sich wohl auch die Frage, wie ihr über das Bergisch Metal gestolpert seid. Ich lasse das Gespräch gerne unvorbereitet laufen, aber ein paar Standard-Fragen habe ich auch. Wie habt ihr euch als Band zusammengefunden und wann und vor allem warum?

2017 ging es bei uns los. Unser ursprünglicher Drummer Sascha und unser anderer Gitarrist Lars haben vorher schon zusammen in einer Band gespielt. Als diese sich aufgelöst hatte, war für uns klar, dass wir neue Leute suchen und mit einer neuen Band weitermachen würden, denn ohne Musik geht’s einfach nicht. Nachdem sich unsere vorherige Band mit der Zeit immer weiter in Richtung Thrash entwickelt hatte, war auch klar, dass wir diesen Stil weiterverfolgen wollten. Oli am Bass und unser Sänger Fabian vervollständigten die Urbesetzung von Taskforce Toxicator. Beide waren persönliche Kontakte von mir. Oli kannte ich aus meinem damaligen Studium und Fabi durch eine gemeinsame Freundin. Dass er singt, wusste ich bis dato gar nicht. Er hatte sich gemeldet, als wir öffentlich gemacht hatten, dass wir einen Sänger suchen. Und so führte eins zum anderen.

Hört sich so an, als hättet ihr bisher noch nicht große Probleme mit dem berühmten Personalkarussell gehabt. Wie haltet ihr den Laden zusammen oder ist das ein Selbstläufer?

Ein paar Wechsel hat es seit unserer Gründung durchaus gegeben, insbesondere am Schlagzeug. Es ist immer ein bisschen schade, wenn jemand die Band verlässt. Bisher lief das bei uns zum Glück immer ohne böses Blut oder große Streitereien ab. Lebensumstände und Prioritäten verändern sich eben immer mal und manchmal lässt sich das mit dem Bandleben nicht mehr vereinbaren. Um das ganz zusammenzuhalten sind auf jeden Fall viele, regelmäßige Gespräche über die Band, die weiteren Pläne und die aktuellen Lebenssituationen eines jeden einzelnen unumgänglich. Kommunikation ist das A und O, wenn es in einer Band funktionieren soll. Das gelingt uns ganz gut, würde ich behaupten, auch wenn die ein oder andere Reiberei natürlich unvermeidbar ist. In einer Band verbringt man sehr viel Zeit zusammen, da kommt es auch mal zu Konflikten. Wichtig ist nur, dass man diese im Anschluss auch hinter sich lassen kann, anstatt die ewig unterschwellig mitzuschleppen.

Kann man als nicht-Profi-Band noch ohne Geld draufzulegen Musik machen? Ich finde das immer schwerer es so hinzubiegen, dass man nicht draufzahlt. In einem Tonstudio aufnehmen ist angesichts der Absatzzahlen von Tonträgern kaum noch rentabel. Habt ihr noch nennenswerte Umsätze mit Tonträgern?

Ich leg mein Leben lang drauf, seit ich Musik mache, also für mich ist die Antwort da ziemlich klar, haha. Wenn man eine Band voranbringen möchte, sind Investitionen unumgänglich und wenn man eben noch nicht in der Profiliga mitspielt, ist es wohl kaum möglich, diese Kosten allesamt durch die Band selbst aufzufangen. Seit unser Debütalbum „Laser Samurai“ 2023 erschienen ist, läuft es für uns finanziell schon deutlich besser als noch vor der Platte. Die Gagen werden besser, die Merchverkäufe laufen besser und immer öfter können wir Investitionen wie Musikvideos oder Merch komplett oder zumindest in großen Teilen aus der Bandkasse bezahlen. Da ist auf jeden Fall ein positiver Trend erkennbar. Wir hoffen natürlich, dass sich das mit unserer zweiten Platte, die dieses Jahr erscheint, fortsetzt. Wenn es um Tonträger geht, merken wir aber auch, dass die Verkäufe da nachlassen. Merchandise hingegen läuft gefühlt besser denn je. Da muss man als Band heutzutage ein bisschen drauf eingehen. Die Leute nehmen von einer Show inzwischen lieber ein Shirt oder ne Basecap als Erinnerungsstück mit anstelle eines Tonträgers. Im Metal ist dieser Trend vielleicht noch nicht ganz so stark ausgeprägt wie in anderen Genres. Aber die Tendenz ist, zumindest meiner Auffassung nach, sehr klar erkennbar. Streaming hat Musik so einfach und kostengünstig zugänglich gemacht, dass viele keinen Sinn mehr darin sehen, Geld für eine Platte auf den Tisch zu legen. Trotzdem können wir uns hinsichtlich unserer Tonträgerverkäufe nicht beklagen. Gerade auf unserer Tour mit Knife und Warrant Anfang April sind ne Menge CDs und Vinyl weggegangen und die Tape-Edition unseres Albums ist seit einiger Zeit ausverkauft

Okay, die Gesamtbilanz stellt man lieber gar nicht erst auf, geschweige denn, dass man sie sich anschaut. Allein die Hardware, die ich im Laufe der Jahrzehnte gekauft habe, geht in den höheren 5-stelligen Bereich. So viel Merch, CDs und Platten kann ich in diesem Leben gar nicht mehr verkaufen, um das zu decken. Die Tendenz was Verkäufe von Merch und Tonträgern angeht, sieht bei euch also ganz ähnlich aus, wie bei anderen Kollegen, mit denen ich über das Thema gequatscht habe. Tapes! Selbst ich alter Mann habe mein Tapedeck im Keller eingelagert! Wie viele Shows hattet ihr auf der Tour und wie sah es mit Besucherzahlen aus? War das so richtig mit Nightliner und sowas oder ein wenig bescheidener?

Ja, die Kosten für das eigene Equipment kommen auf die ganze Rechnung natürlich noch drauf. Da darf man nicht zu viel drüber nachdenken und einfach machen, haha. Und ich denke, diese Tendenz bezüglich nachlassender Tonträgerverkäufe ist allgegenwärtig. Würde mich wirklich wundern, wenn da jemand eine andere Beobachtung macht. Es wird zwar viel von einem Vinyl-Revival geredet. Aber wenn man sich anschaut, was für einen Marktanteil Vinyl gegenüber Streaming hat, passiert dieses Revival nur in einer vergleichsweise kleinen Blase von Musikliebhabenden. Was natürlich trotzdem eine super Sache ist, dass es die immer noch gibt! Auf der Tour waren wir insgesamt 9 Tage unterwegs. 7 Shows haben wir mit Knife und Warrant gespielt und noch eine in Tschechien, um einen Off-Day zu füllen, den wir am 1. April sonst gehabt hätten. Die Tour war wahnsinnig geil! Die Shows waren allesamt gut bis sehr gut besucht. Da gab es wirklich keinen Durchhänger. Mit den Jungs von Knife und Warrant haben wir uns super gut verstanden. Alle sind respektvoll und auf Augenhöhe miteinander umgegangen. Das haben wir als Support leider auch schon anders erlebt. Aber die Jungs waren wirklich alle super. Wenn Probleme aufkamen, haben alle gemeinsam an einer guten Lösung gearbeitet. Da gabs keine Allüren oder Ähnliches. Im Nightliner waren wir leider nicht unterwegs, haha. Wir haben uns für die Tour einen Van gemietet und wahlweise in Hotels oder Air BnBs übernachtet. Da die Strecken zwischen den Shows nicht unendlich lang waren, war das auch gut machbar so.

Schön zu hören, dass es live anscheinend keinen flächendeckenden Zuschauerschwund gibt. Ich habe zwar in den letzten 2-3 Jahren relativ häufig was von Absagen gelesen, seien es einzelne Festivals oder auch ganze Touren, aber das scheinen mir eher Einzelfälle zu sein, die auch was mit schlechter Planung zu tun gehabt haben können. Da wird dann immer gleich davon geredet, dass live-Konzerte eine aussterbende Art sind, was sich mit meinen Erfahrungen nicht ansatzweise deckt. Wie erlebt ihr das?

Puh, schwieriges Thema. Dass in den letzten 3-4 Jahren immer häufiger Konzerte, Festivals und Tourneen aufgrund ausbleibender Vorverkäufe abgesagt werden hat hier und da sicherlich auch was mit schlechter Planung zu tun. Trotzdem habe ich persönlich schon das Gefühl, dass sich das Ausgehverhalten der Menschen seit der Pandemie massiv verändert hat. Da in den Jahren der Pandemie aufgrund von sich ständig verändernden Regularien regelmäßig Konzerte verschoben oder abgesagt wurden, hat für mein Gefühl definitiv dazu beigetragen, dass viele grundsätzlich höchst ungern noch Konzerttickets im Vorverkauf holen, wenn es nicht gerade um die ganz großen wie Metallica, Iron Maiden und Co. geht. Bei denen schwingt ja zum einen immer das „Es könnte das letzte Mal sein“-Gefühl mit. Zum anderen weiß man als Fan aus Erfahrung, dass bei solchen Megatouren schnell mal alle Karten weg sind, wenn man nicht früh genug da ist. Diese Gefühl der Dringlichkeit haben die Leute bei kleineren Bands und Veranstaltungen einfach nicht. Und dass sie regelmäßig sehen, wie Veranstalter von niedrigen Vorverkaufszahlen sprechen, bestätigt sie ja auch irgendwo darin, dass es auch bis kurz vor einer Show im Zweifel noch Karten geben wird. Für die Veranstalter ist das natürlich der reinste Horror. Gefühlt ist im Underground kaum noch eine zuverlässige Planung möglich, weil es durchaus sein kann, dass der Vorverkauf wenige Tage vor der Show plötzlich rasant anzieht. Aber das ist auch nicht garantiert. Da verstehe ich jeden, der im Zweifel lieber die Reißleine zieht, ganz ehrlich. Wir sind von Absagen aufgrund schlechter Vorverkäufe bisher zum Glück verschont geblieben. Aber bei unserer Show mit Dust Bolt, Devastruction und Evil Tyrant im Helvete vergangenes Jahr stand das ganze wegen des schlecht laufenden Vorverkaufs zwischenzeitlich durchaus auf der Kippe. Zum Glück konnten wir da gemeinsam das Ruder noch rumdrehen. Alles in allem ist es gefühlt schon schwieriger geworden, Undergroundkonzerte so zu gestalten, dass die Leute auch wirklich Bock haben dahin zu kommen. Aber da muss sich jede Band und jeder Veranstalter fragen, was sie tun können, um die Leute wieder ranzuholen. Ryan Gosling hat ja kürzlich zum Thema Kino gesagt, es sei an den Studios, Filme zu drehen, die es wert sind, im Kino gesehen zu werden. Und so müssen wir alle uns Gedanken machen, welche Art von Konzert die Leute heutzutage sehen wollen. Die Alternativangebote sind dank Spielkonsolen, Netflix und Co. so groß wie nie zuvor. Wenn ein Show ausfällt, bleiben die meisten halt auf der Couch sitzen und holen sich da ihr Entertainment. Doch Konzerte sind nicht nur Unterhaltung, sondern Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders. Ich denke, das ist ein Punkt, den man stärker herausarbeiten muss, um die Leute wirklich anzusprechen. Diesbezüglich müssen wir alle, die Musik machen und Konzerte veranstalten, uns Gedanken machen. Auf einem Konzert gemeinsam mit anderen zu geiler Musik abzufeiern ist ein Erlebnis, dass sich mit Netflix allein auf der Couch nie ersetzen lassen wird. Manche müssen da aber regelmäßig dran erinnert werden. Auch wieder: Ich habe das Gefühl, die ständige Isolation in der Pandemie hat sehr dazu beigetragen, dass Leute gar nicht mehr merken, dass sie eigentlich mal wieder ein bisschen mehr menschlichen Kontakt gebrauchen könnten, weil sie das Alleinsein so gewohnt sind. Aber ich drifte ab. Die Quintessenz ist: Konzert im Underground erfolgreich zu veranstalten, ist für mein Gefühl durchaus schwieriger geworden. Aber nicht unmöglich und wir alle können unseren Teil dazu beitragen, dass diese Art der Musikkultur weiterbesteht und unvergessliche Erlebnisse für alle liefert.

Oha. Alleine der Umstand, wie viel du dazu geschrieben hast zeigt mir, dass da eine Menge Gefühl mit dran hängt. Ich hatte nach dem Corona-Irrsinn den Eindruck, dass es tatsächlich die Sehnsucht nach menschlichen Kontakten war, die die Menschen wieder in die live-Locations geführt hat. Beim ersten Bergisch Metal nach dem ganzen Theater, haben sich die Leute da nicht nur zur Begrüßung umarmt, sondern mehrmals am ganzen Tag, als würden sie es feiern, dass endlich wieder Leben in der Bude ist. Meiner Meinung nach, ging es bei Konzerten noch nie allein um die Musik, sondern immer schon um das gemeinsame Erlebnis mit Freunden und aber auch mit völlig fremden Menschen, von denen manche zu Freunden werden können. Mit Sicherheit hat die zwangsweise Isolation während der ganzen Lockdowns dazu beigetragen, das Bewusstsein dafür wieder aufzuwecken, wie wichtig diese Kontakte sind. Ich bin ganz sicher, dass wie im Mai wieder so ein unvergessliches Erlebnis schaffen werden.

Na klar, im ersten Moment gab’s diesen Drang auf jeden Fall, da stimme ich dir absolut zu! Aber Menschen sind ja doch Gewohnheitstiere und für mein Gefühl sind da manche schnell wieder in das während der Pandemie angelernte Verhalten verfallen, so nach dem Motto: Zu Hause ist’s doch auch schön. Dir vielen Dank für das Interview! Das Bergisch Metal wird auf jeden Fall einer dieser unvergesslichen Momente!